Ankunft in Japan, Sharehouse und erster Schultag
Einreise
Nach dem langen Flug war ich ziemlich müde. Als ich endlich am Immigration-Schalter angekommen bin, war der Officer erst etwas verwirrt, weil er wohl nicht wusste, dass er mir auch meine Zairyuu Card ausstellen muss. Nachdem das geklärt war, ging dann aber alles recht schnell. Danach musste ich nur noch meinen Koffer holen und durch den Zoll.
Beim Zoll habe ich noch kurz mit einem Beamten geredet, weil er neugierig war, was ich denn ein ganzes Jahr hier mache. Dass ich für ein Jahr bleibe, wusste er durch meine Zairyuu Card.
Danach musste ich noch meine SIM-Karte abholen, damit ich Internet habe und eine japanische Telefonnummer. Die Telefonnummer ist wichtig, weil viele japanische Services, zum Beispiel Banken oder auch das Einwohnermeldeamt, gerne eine japanische Nummer von einem haben wollen.
Erste Nacht
Da ich am Sonntag angekommen bin, konnte ich nicht direkt in mein Sharehouse einziehen. Deshalb war ich erstmal in einem Hotel in der Nähe meines Sharehouses.
Um vom Airport zum Hotel zu kommen, musste ich mit dem Zug fahren.
Da ich zwei Koffer hatte, dazu noch Handgepäck und Rucksack, war das aber nicht ganz so einfach. Den ersten Teil meiner Reise habe ich mit dem Narita Express gemacht. Das war das erste Mal, dass ich den benutzt habe. Es war überraschend angenehm, damit zu fahren.

Danach musste ich allerdings noch mit der Yamanote Line fahren. Die ist immer sehr voll, und man bekommt auch ein paar böse Blicke, wenn man mit dicken Koffern als Ausländer den Weg versperrt… Aber wie der Japaner gerne sagt: しょうがない. Kann man nichts machen.
Als ich dann verschwitzt im Hotel angekommen bin, habe ich erstmal geduscht. Danach bin ich noch rausgegangen und habe schon mal meine neue Umgebung erkundet. Leider habe ich bisher noch kein gutes Café gefunden…
Das Sharehouse
Am nächsten Tag konnte ich endlich in mein Zimmer im Sharehouse. Als ich angekommen bin, habe ich auch direkt jemanden getroffen, der dort wohnt. Die Person konnte mir dann zeigen, wie ich die Tür mit dem PIN aufmache, worauf ich achten soll und wo ich meinen Briefkasten finde.
Als ich dann in meinem Zimmer war, habe ich erstmal das Bett bezogen und meine Koffer ausgepackt.

Danach habe ich allerdings bemerkt, dass ich kein Internet habe… Hier in meinem Raum gibt es Internet nämlich nur über Ethernet, also kein WLAN. Also musste ich noch mal los und mir ein Kabel kaufen.
Ich war sehr froh, dass ich meine Dockingstation für mein MacBook eingepackt hatte. Damit konnte ich dann über das Ethernet-Kabel ins Internet. Kurz danach habe ich aber das nächste Problem bemerkt: Ich hatte das Internetproblem nur für mein MacBook gelöst, aber nicht für mein Smartphone.
Also habe ich erst mal geschaut, was ein WLAN-Router kostet. Noch mal los wollte ich nicht, und meine mobilen Daten wollte ich auch nicht direkt verbrauchen. Deshalb dachte ich mir, dass mein MacBook bestimmt einen Hotspot machen kann. Und tatsächlich: Das geht. Somit ist mein MacBook jetzt auch mein Router.
Naja, so viel zu meinem ersten Tag im Sharehouse. Am selben Tag musste ich aber auch noch zur Schule, um an der Orientierungsveranstaltung teilzunehmen.
Orientierungstag der Schule
Viel zu sagen gibt es dazu eigentlich nicht. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht von der Orientierung. Nicht nur, dass die Lehrer es nicht geschafft haben, für Ruhe im Raum zu sorgen, sie haben am Ende auch einfach nur die PDF vorgelesen, die sie uns schon zwei Tage vorher per E-Mail geschickt hatten…

Vielleicht müssen sie diese Veranstaltung einfach aus rechtlichen Gründen machen, ich weiß es nicht. Jedenfalls standen da fast nur Sachen drin, die eigentlich selbstverständlich sein sollten: Man soll sich benehmen. Man muss zur Schule kommen, weil sonst das Visum Probleme machen kann. Und dann noch Dinge wie, wie man günstiger mit dem Zug fährt oder dass man seine Adresse registrieren muss. Was ich zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht gemacht hatte.
Erster Unterricht
Am nächsten Tag war es dann so weit, also heute, genau gesagt. Ich bin morgens gegen 7:30 Uhr zum Bahnhof gegangen. Das war eigentlich viel zu früh, dachte ich mir, weil ich erst um 9:30 Uhr in der Schule sein musste und die Fahrt nur ungefähr 40 Minuten dauert.
Deshalb war ich vorher noch in einem Café und habe etwas gechillt.

Als ich dann loswollte, war allerdings Rushhour. Das heißt, ich war wie eine Sardine in der Dose. Vielleicht sollte ich morgens lieber bei der Schule im Café chillen und nicht bei meiner Station…
Als ich dann bei der Schule war und in die Klasse gegangen bin, habe ich vor dem Unterricht noch ein paar Mitschüler kennengelernt. Einer ist dabei besonders aufgefallen. Der ist einfach in den Raum gestürmt, hat nichts gesagt und sich irgendwo in die Ecke gesetzt.
In der Pause hat er mich dann angesprochen, weil er mitbekommen hat, dass ich aus Deutschland komme, und fragte mich, ob ich Rammstein mag… Keine Ahnung, was ihn da geritten hat.
Später meinte er dann noch, dass man hier eh nichts lernt und die Lehrer sich einen feuchten Dreck um die Schüler scheren. Er hat den ganzen Unterricht nur am Handy gedaddelt, und wenn er mal aufgerufen wurde, meinte er einfach, man solle ihn überspringen. Ich denke mal, das ist so eine Person, die das Ganze nur wegen des Visums macht…
Aber naja, nun zum Unterricht. Ich habe erstaunlich viel verstanden. Sogar so viel, dass es vielleicht ein bisschen zu leicht für mich ist. Ich werde mir das auf jeden Fall mal eine Woche lang anschauen.
An sich war der heutige Tag einfach nur Frontalunterricht, ohne richtige Grammatik- oder Vokabelerklärungen. Für mich war das kein großes Problem, weil nichts wirklich Neues dran kam. Aber meine Mitschüler fanden das nicht so toll und meinten zu mir, dass die Lehrerin auch in den vorherigen Stufen nicht besonders gut erklären konnte.
Ich bin mal gespannt, wie die anderen Lehrer so sind. Wir haben nämlich jeden Tag einen anderen Lehrer.
Nach der Schule bin ich dann mit einem etwas blöden Gefühl nach Hause gefahren, ohne noch groß mit meinen Klassenmitgliedern zu reden, weil ich unbedingt noch meine Adresse registrieren musste.
Adressregistrierung
Vor der Registrierung hatte ich am meisten Angst. Ich kann nur gebrochen Japanisch. Kanjis schreiben kann ich gar nicht. Und dann auch noch Behördenjapanisch…
Das Einzige, was mich ein bisschen beruhigt hat, war dieser komische Typ aus der Klasse, der kaum etwas gesagt hat. Der hat das ja irgendwie auch geschafft :D
Und ja, am Ende war es richtig einfach. Ich bin hingegangen, habe vermutlich ziemlich hilflos ausgesehen, und dann kam direkt jemand, der mich auf Japanisch gefragt hat, was ich brauche, und mir erklärt hat, was ich tun muss.
Ich musste nur ein Stück Papier ausfüllen, auf dem meine Adresse, mein Name und mein Geburtsdatum standen. Meinen Namen musste ich sogar an drei verschiedenen Stellen auf dasselbe Formular schreiben… Dann noch eine Nummer ziehen und warten.
Als ich dran war, musste ich nur die Papiere abgeben und ein paar Fragen beantworten, zum Beispiel ob ich noch in die Krankenkasse muss. Und das war’s auch schon.
Ich habe danach noch ziemlich viele Sachen zum Lesen mitbekommen, zum Beispiel wie die Mülltrennung funktioniert, was man bei einer Katastrophe tun soll und wie man sich gegen Kriminalität schützt. Das sollte ich mir eigentlich alles noch durchlesen… Aber nicht heute.

Naja, das war bisher alles, was ich erlebt habe.